Der Winter hat Dessau-Roßlau in diesem Jahr Frost und Schnee beschert. Das bringt Herausforderungen für den Winterdienst mit sich, für dessen Arbeit wir uns stellvertretend herzlich bedanken möchten.
Auf der anderen Seite beschreibt ein Leserbrief in der Mitteldeutschen Zeitung vom 8. Januar eindrücklich die Grenzen: Verschneite und vereiste Geh- und Radwege, spiegelglatte Fahrbahnen in den Wohngebieten und an manchen Stellen unüberwindbare Barrieren. Für Kinder und Jugendliche auf ihren Schulwegen, ältere und eingeschränkte Menschen sowie alle, die nicht mit dem eigenen PKW unterwegs sind, wird der Weg durch die Stadt zur täglichen Herausforderung, zur Mutprobe.
Es allen Verkehrsträgern gleichzeitig recht zu machen ist eine Herausforderung. Das ist uns bewusst! Wir möchten dennoch dafür plädieren alle Verkehrsträger in gleicher Weise in den Blick zu nehmen! Radfahrende auf ihren täglichen Wegen sind genauso auf ihr Fahrrad angewiesen wie viele Menschen auf den PKW. Viele ältere und eingeschränkte Menschen möchten im Quartier den Fußweg zur nächsten Kaufhalle nutzen. Schülerinnen und Schüler fahren mit dem Fahrrad zur Schule oder gehen zu Fuß.
Mobilität als Ganzjahresfrage
Der Winter legt offen, was im Sommer gilt: Unsere Stadt braucht ein integriertes Mobilitätskonzept. Eines, das nicht vom PKW aus denkt und alle anderen Verkehrsarten „mitmeint“, denn nur jede 2. Person besitzt einen eigenen PKW in unserer Stadt. Eines, das Mobilität als Zusammenspiel versteht. Wer zu Fuß geht, mit dem Rollator unterwegs ist, Kinder begleitet oder das Fahrrad nutzt, ist kein Sonderfall – sondern Teil einer sich in der Stadt bewegenden Mehrheit.
Der ADFC weist seit Langem darauf hin, dass sichere und komfortable Infrastruktur entscheidend dafür ist, ob Menschen das Fahrrad im Alltag nutzen. Das gilt in der kalten Jahreszeit genauso wie in der warmen Jahreszeit. Ein schmaler, baufälliger oder zugeparkter Radweg ist kein Angebot, sondern ein Hindernis – egal in welcher Jahreszeit. Ein Gehweg, der weder barrierefrei noch ausreichend breit ist, schließt Menschen aus, statt sie mitzunehmen.
Schulwege und Rücksichtnahme
Besonders deutlich wird das bei den Schulwegen, wenn empfohlene Routen laut Schulwegplan faktisch unbenutzbar sind. Wir möchten daran erinnern, dass für Menschen, die ein Grundstück besitzen, laut Winterdienst-Satzung eine Räumpflicht besteht. Bitte beräumen Sie für Ihre Mitmenschen die Geh- und Radwege vor Ihren Grundstücken von Eis- und Schnee. Auch die Stadtverwaltung und die Wohnungsunternehmen können sich diesen Vorgaben nicht widersetzen. An vielen Abschnitten räumt die Anwohnerschaft vorbildlich. Danke dafür! Zu viele Teilstücke in städtischer Hand oder in der Hand der Wohnungsbaugesellschaften sind ungeräumt.
Die im Leserbrief angeregte kurzfristige, kostenfreie ÖPNV-Nutzung für Schülerinnen und Schüler bei Extremwetter ist ein gutes Beispiel für praktisch geübte soziale Teilhabe.
Wenn Radwege nicht benutzbar sind, ist das Fahren auf der geräumten Fahrbahn ausdrücklich erlaubt! Üben Sie in diesen Fällen Rücksicht und überholen sie mit 1,50 Meter Seitenabstand, wie es die StVO vorsieht.
Unser Anspruch für Dessau-Roßlau
Wir setzen uns deshalb ein für:
- zeitlich eng gestaffelte gleichwertige Behandlung aller Verkehrsträger im Winterdienst,
- durchgängig sichere Rad- und Fußwege im gesamten Stadtgebiet,
barrierefreie Mobilität für Jung und Alt, - ein integriertes Mobilitätskonzept, das soziale Teilhabe sichert, ein Höchstmaß an Verkehrssicherheit garantiert und die gesunde Fortbewegung der Bevölkerung in den Blick nimmt.
Der Winter geht vorbei. Die Frage, wie wir uns in Dessau-Roßlau in Zukunft bewegen können und wollen, bleibt. Nutzen wir die glatten Tage als Anlass zum Nachdenken über die Frage der Mobilität als soziale Teilhabe.
Bastian George, Christoph Kaßner, Stephan Marahrens
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