Das neue Schuljahr hat begonnen. Jeden Morgen sind in Dessau-Roßlau wieder zahlreiche Kinder und Jugendliche unterwegs: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder anderen Verkehrsmitteln auf dem Weg zu einer der 27 Schulen unserer Stadt. Wir als Fraktion möchten genauer hinschauen und die Interessen der jungen Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Denn der tägliche Schulweg sollte vor allem eines sein: sicher. Doch wie sieht die Realität auf den Straßen und Wegen in unserem Stadtgebiet aus? Wo gibt es Gefahrenstellen und was müsste sich verbessern?
Dieser Frage gehen wir exemplarisch gemeinsam mit Ulli, einem 15-jährigen Schüler aus Dessau-Süd nach. Seine Erfahrungen zeigen, wo Handlungsbedarf besteht – und geben uns als Fraktion wichtige Impulse, konkrete Initiativen für sicherere Schulwege auf den Weg zu bringen.
Nach Ullis Beobachtung nehmen Menschen, die ein Fahrzeug fahren, häufig unzureichend Rücksicht auf die, die zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren. Eindringliches Beispiel ist der Fußgängerüberweg am Walter-Gropius-Gymnasium, an dem in jüngerer Vergangenheit zwei Unfälle mit Personenschaden passiert sind. Laut Ullis Recherchen entfernten sich in beiden Fällen die Verursachenden vom Unfallort, was eine Straftat darstellt (§142 StGB).
Ulli appelliert an alle Beteiligten im Straßenverkehr, Rücksicht zu nehmen. Weil Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, keine „Knautschzone“ haben. Darum bittet er: „Liebe KFZ-Nutzende, nehmt Rücksicht auf junge Menschen auf ihren Schulwegen, besonders dann, wenn Rad- und Fußwege fehlen oder in einem schlechten Zustand sind.“ Ulli ist der Ansicht, dass manche Radwege schlecht befahrbar sind, wie in der südlichen Heidestraße oder gänzlich fehlen, wie in der Peterholzstraße oder über weite Strecken an der Heidestraße in Dessau-Süd.
In der Konsequenz müssen Schülerinnen und Schüler ungeschützt auf der Fahrbahn fahren. Er sagt, einige Ampelschaltungen brauchen unverhältnismäßig lange, zum Beispiel zum Queren der Heidestraße, so dass schnell eine unsichere Variante gewählt wird, um pünktlich in der Schule zu sein.
Was kann getan werden, um die Schulwege sicherer zu machen? Ulli schlägt vor, dass vorhandene Radwege saniert werden. „Auch Fahrradstraßen wären in manchen Gebieten eine Hilfe“ und nennt sogleich die Nebenfahrbahnen der Heidestraße und die Peterholzstraße. Er findet, dass bei schmalen Fahrbahnverhältnissen eine Einbahnstraße helfen kann. Ulli sieht in vielen anderen Bereichen der Stadt ebenso Bedarf bei den Fußwegen. Für uns neu: Er bemängelt einseitige Beleuchtung in der dunklen Jahreszeit, bei der er sich unwohl fühlt.
Abschließend lässt sich festhalten, dass Verbesserungsbedarf bei der Sicherheit der Schulwege in Dessau-Süd besteht. Schulwegsicherung ist eine kommunale Pflichtaufgabe, die das gesamte Stadtgebiet betrifft. Kindern und Jugendlichen eine sichere Möglichkeit zu geben ihre Mobilität unabhängig vom Geldbeutel zu Fuß und mit dem Fahrrad zu gestalten, muss eine zentrale Aufgabe für die Stadt von Heute sein. Wir werden aus diesem Grund eine Aktualisierung der Schulwegpläne einbringen. Auf den Haupt- und Nebenstrecken des Radverkehrsnetzes erwarten wir verkehrsorganisatorische Lösungen, wenn bauliche Maßnahmen nicht möglich sind. Die novellierte StVO eröffnet zahlreiche Möglichkeiten wie Fahrradstraßen/ -zonen, Radfahrstreifen und neuerdings das Kennzeichnen mit Fahrrad-Piktogrammketten auf der Fahrbahn. Ebenso die Herabsetzung der Geschwindigkeit auf 30 km/h und die Anlage von Fußgängerüberwegen zum sicheren Queren von Straßen. Am Ende sagt Ulli: „Kinder und Jugendliche sind eine Hauptnutzergruppe von Rad- und Fußwegen in unserer Stadt. Entsprechend sicher und attraktiv muss das Angebot sein, unversehrt von A nach B zu kommen.“
Das diesjährige Stadtradeln unterstreicht diese Einschätzung. Die drei Podiumsplätze gingen in diesem Jahr an die drei Gymnasien in unserer Stadt. Im 4. Jahr Stadtradeln gab es mit 2300 aktiv Radfahrenden in 120 Teams eine neue Rekordbeteiligung. Insgesamt wurden nahezu 420.000 Kilometer zurückgelegt. Wir als Fraktion danken allen Menschen, die sich aktiv beteiligt haben und für Gesundheit, Geldbeutel und ein besseres Klima in die Pedale getreten haben.
Ihre grüne Stadtratsfraktion
