Die Klimaerwärmung wirkt sich in Sachsen-Anhalt und in Dessau-Roßlau zunehmend spürbar aus. Die Anzahl der Hitzetage – Tage mit Temperaturen über 30 °C – hat sich laut dem Bericht zum Klimawandel in Sachsen-Anhalt seit den 1950er Jahren etwa verdreifacht. Gab es zwischen 1951 und 1960 durchschnittlich 5 bis 6 Hitzetage im Jahr, waren es im Zeitraum 2011 bis 2020 bereits mehr als 16. Auch die durchschnittliche Jahrestemperatur ist gestiegen: von 9,1 °C im Zeitraum 1961–1990 auf 10,3 °C im Zeitraum 2001–2023. Klingt wenig bedeutet de facto: Extreme Wetterereignisse, Gesundheitsrisiken und Ernteausfälle.

(Quelle: Klimamonitoring des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 2025)
Temperaturen von über 40 °C, wie sie auch in diesem Sommer gemessen wurden, werden künftig häufiger auftreten. Gleichzeitig wechseln sich längere Trockenperioden zunehmend mit Starkregenereignissen ab. Dadurch sinken einerseits die Wasserstände unserer Gewässer, während andererseits Starkregen erhebliche Schäden durch Überschwemmungen verursachen können. An diese Entwicklungen müssen wir uns anpassen.
Bei zukünftigen Straßenbau-Maßnahmen sollten wir deshalb das Prinzip der „Schwammstadt“ von Anfang an mitdenken. Dazu gehören Bäume und unversiegelte Straßen sowie eine möglichst ortsnahe Bewirtschaftung des Regenwassers. Niederschlagswasser sollte nach Möglichkeit nicht unnötig über die Kanalisation und das Klärwerk abgeleitet werden. Vielmehr sollten wir prüfen, wie es vor Ort versickern, dem Straßengrün zugutekommen oder zur Stabilisierung unserer Seen beitragen kann. Bei Projekten wie der Ferdinand-von-Schill-Straße oder der Johannisstraße sollten solche Möglichkeiten zwingend berücksichtigt werden.
Mit steigenden Temperaturen und zunehmenden Trockenperioden wächst die Waldbrandgefahr. Ein leistungsfähiger Brand- und Katastrophenschutz ist deshalb von großer Bedeutung. Auf die vielen haupt- und ehrenamtlich tätigen Feuerwehrleute und Katastrophenschützer können wir dabei nicht verzichten.
Eine bedarfsgerechte und verantwortungsvolle Ausstattung unserer Feuerwehren ist uns daher ein besonderes Anliegen. Wir beteiligen uns an der Arbeitsgruppe zur Ausarbeitung der neuen Risikoanalyse für den Brand- und Katastrophenschutz. Die von einem externen Ingenieurbüro erstellte Analyse soll den Handlungsbedarf der kommenden Jahre aufzeigen. Dabei müssen die finanziellen Möglichkeiten unserer Stadt berücksichtigt werden. Investitionen sollten auf die tatsächlichen Einsatzanforderungen abgestimmt sein. Bis zum Vorliegen der Risikoanalyse werden wir deshalb darauf achten, dass verschiebbare Beschaffungen kritisch geprüft werden.
Ein Beispiel ist das neue Großtanklöschfahrzeug (GTLF), das im Juli 2026 offiziell in den Dienst gestellt wurde. Wir hatten uns gemeinsam mit Mitgliedern des zuständigen Fachausschusses gegen die Anschaffung in dieser Form ausgesprochen. Das Fahrzeug kostete rund 800.000 Euro und soll insbesondere bei Vegetationsbränden große Mengen Löschwasser an die Einsatzstelle bringen.
Unsere Bedenken betreffen vor allem die Frage, ob ein solches Großfahrzeug unter den örtlichen Bedingungen in allen Einsatzsituationen den größtmöglichen Nutzen bietet. Bei Vegetationsbränden können enge Feld- und Waldwege die Zufahrt größerer Fahrzeuge erschweren. Aus unserer Sicht können deshalb kleinere, flexiblere Fahrzeuge oder Tankanhänger in bestimmten Einsatzlagen eine sinnvolle Ergänzung sein. Auch Feuerwehrangehörige teilen diese Einschätzung.
Darüber hinaus hätten wir uns eine stärkere Prüfung der Fördermöglichkeiten des Landes gewünscht. Ein vergleichbares, standardisiertes Löschgruppenfahrzeug hätte rund ein Drittel weniger gekostet. Mit einer möglichen Landesförderung von bis zu 160.000 Euro hätte die Belastung des städtischen Haushalts bei nur etwa der Hälfte der nun veranschlagten 850.000 Euro gelegen. Die eingesparten Mittel hätten für weitere Investitionen in Technik und persönliche Schutzausrüstung genutzt werden können.
Entscheidend sind die tatsächlichen Einsatzanforderungen und die Sicherheit von Einsatzkräften und Bevölkerung. Gerade deshalb halten wir es für wichtig, die Ergebnisse der neuen Risikoanalyse abzuwarten und künftige Investitionen auf einer fundierten Grundlage zu planen.
Ausdrücklich bedanken möchten wir uns bei den vielen Feuerwehrangehörigen für ihre sachlichen und kritischen Rückmeldungen. Der Austausch ist für uns ein wichtiger Bestandteil, um den Brand- und Katastrophenschutz in unserer Stadt weiterzuentwickeln.
Christoph Kaßner
