Bauhaus 100: ein Jubiläum, das uns aufrütteln sollte

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Am 28. März 2026 hatte ich die Gelegenheit, bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellungen „An die Substanz. Bauhaus Dessau 100“ der Stiftung Bauhaus Dessau vor Ort zu sein. Es war ein besonderer Moment. Einhundert Jahre Bauhaus in Dessau – das spürt man nicht nur in den Gebäuden, sondern auch in der Haltung, die dort bis heute lebendig ist.

Das Bauhaus Dessau steht für Offenheit, Fortschritt und den Mut, Gesellschaft aktiv zu gestalten. Es geht um mehr als Architektur. Es geht um ein Denken, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt und Gestaltung als gesellschaftliche Aufgabe versteht. Das Bauhaus suchte und sucht Wege, preiswert und ressourcenschonend zu arbeiten. Wohnen für alle bezahlbar und Komfort verfügbar machen. Ein Ansatz, aktueller denn je.

Umso mehr erschreckt mich, mit welcher Haltung eine Fraktion auf das Bauhaus blickt. Wenn dort von einem „Irrweg der Moderne“ gesprochen wird oder die Gestaltung als „Einheitsbrei“ abgewertet wird, zeigt sich eine grundlegende Ablehnung dessen, wofür das Bauhaus steht. Besonders irritierend ist die Schärfe der Sprache: Dem Bauhaus wird eine „mit linker Ideologie durchtränkte Architektur“ vorgeworfen, die das menschliche Bedürfnis nach Geborgenheit und Behaglichkeit „nach allen Regeln der Kunst vergewaltigt“ habe.

Solche Aussagen sind keine sachliche Auseinandersetzung. Sie sind Ausdruck eines Weltbildes, das Offenheit, Vielfalt und Fortschritt grundsätzlich infrage stellt. Die Parallele zu den Nationalsozialisten ist dabei nicht nur historisch, sondern bis in die Formulierung solcher Anträge hinein offensichtlich.

Der Blick in die Geschichte mahnt uns. 1932 wurde das Bauhaus aus ideologischen Gründen und auf Druck der NSDAP geschlossen – weil es für genau diese Werte stand. Diese Erfahrung verpflichtet uns heute zur Wachsamkeit.

Vor Ort, bei der Eröffnung, wurde mir einmal mehr bewusst: Das Bauhaus ist nicht Vergangenheit. Es ist Gegenwart – und es ist Verantwortung. Möge Sachsen-Anhalt und Dessau modern denken – und nicht rückwärtsgewandt handeln.

Bastian George

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